Globale Märkte im Bann der Geldpolitik

Nach der Sommerpause betreten in Jackson Hole die wichtigsten Notenbanker wieder die Bühne. Von Fed-Chef Jerome Powell und von EZB-Chefin Christine Lagarde erwarten die Marktteilnehmer Hinweise zur weiteren Ausrichtung der Geldpolitik.

 

 

In Jackson Hole, im idyllischen Wyoming, findet in dieser Woche die internationale Konferenz der US-Notenbank statt, an der führende Geldpolitiker aus aller Welt teilnehmen. Die Veranstaltung steht unter dem Motto: „Strukturelle Veränderungen in der Weltwirtschaft“.

 

Am Freitag wird US-Notenbankchef Powell eine Rede halten. Die Marktteilnehmer dürften vor allem nach Hinweisen suchen, ob die Fed bereits das Ende des Zinserhöhungszyklus erreicht hat. Wir gehen nicht davon aus, dass Powell in seiner Rede sehr konkret werden wird. Klare Hinweise, ob und wann eine weitere Zinserhöhung folgen wird, dürften die Marktteilnehmer also vergeblich suchen. Dennoch könnte sich Powell vorsichtig optimistisch zeigen. Denn zum einen sind die Inflationsraten in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen. Zum anderen scheinen die Währungshüter ein Soft Landing zu erreichen, also eine zyklisch bedingte moderate Abkühlung der US-Wirtschaft, die nicht in eine Rezession mündet. Frau Lagarde dürfte Freitagabend angesichts der hartnäckig hohen Kerninflationsraten weiterhin an einer anhaltend straffen geldpolitische Ausrichtung festhalten. Hierfür sprechen auch die Inflationserwartungen, die zuletzt deutlich angestiegen sind.

 

Darüber hinaus stehen in Jackson Hole mögliche strukturelle Veränderungen in der Weltwirtschaft im Mittelpunkt. Eine schwächer wachsende chinesische Wirtschaft dürfte auch die Wachstumsaussichten in den USA und Europa belasten.

 

Darüber hinaus könnte die japanische Geldpolitik Auswirkungen auf die Kapitalmarktentwicklung in den USA haben. So will die Bank of Japan das Thema „Yield Curve Control“ (Steuerung der Zinsstrukturkurve) flexibler handhaben, was zu einem Anstieg der japanischen Renditen führt. Dies nährt die Befürchtung, dass japanische Investoren ihr im Ausland angelegtes Kapital abziehen und in den heimischen Anleihemarkt investieren könnten. Die globalen Konsequenzen wären weitreichend, da Japan einer der weltweit größten Gläubiger von US-Staatsanleihen ist.

 

Nicht zuletzt dürfte die globale Inflationsentwicklung ein Thema werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Inflation wieder auf rund 2% zurückgehen wird oder ob sie sich nicht langfristig auf einem höheren Niveau einpendeln wird.

 

Ein weiterer Punkt, der in Jackson Hole diskutiert werden dürfte, ist die latente Sorge einiger Marktteilnehmer vor einer handfesten Wirtschafts- und Finanzkrise in China. Die Wachstumsschwäche in China bei gleichzeitig hoher Verschuldung in vielen Sektoren gibt Anlass zur Sorge. Das größte Risiko für die chinesische Wirtschaft geht vom hoch verschuldeten Immobiliensektor aus, der rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung ausmacht. Trotzdem ist ein direkter staatlicher Eingriff, wie es in der Vergangenheit oft der Fall war, weiterhin eher unwahrscheinlich. Auch die Zentralbank zeigt sich eher zurückhaltend. So hat die People‘s Bank of China den Zinssatz für fünfjährige Kredite zuletzt unverändert bei 4,2% belassen. Der Zinssatz für Kredite mit einjähriger Laufzeit wurde zwar um 10 Basispunkte auf 3,45% gesenkt, die Senkung fiel jedoch geringer aus als von den meisten Marktteilnehmern erwartet. An Themen wird es den Teilnehmern der diesjährigen Konferenz also kaum mangeln. Ob sie Antworten auf die vielen offenen Fragen finden können, bleibt abzuwarten.
 

-- Birgit Henseler

 


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