Iran: Endlich Licht am Ende des Tunnels
Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag konnte US-Präsident Trump mit der guten Nachricht aufwarten, dass eine Einigung zwischen den USA und dem Iran gelungen sei. Während der Iran diesbezügliche Meldungen in den Tagen zuvor noch nicht final bestätigt hatte, gab es dieses Mal grünes Licht aus Teheran. Am Freitag soll der Deal bereits besiegelt werden, der den Weg für weitere Gespräche und eine Öffnung der Meerenge von Hormus ebnen soll.
Wenngleich die genaueren Details der Vereinbarung noch unklar bleiben, so drängt sich bei der Recherche der Eindruck auf, dass der Iran durchaus erfolgreich verhandelt hat. Unter anderem ist die Rede von einem 300 Mrd. USD schweren Wiederaufbauplan, der Freigabe von 25 Mrd. USD derzeit eingefrorener iranischer Vermögenswerte und der zumindest temporären Aussetzung von Sanktionen auf iranische Öl- und Petrochemieprodukte. Im Gegenzug verpflichtet sich der Iran, keine Nuklearwaffen herzustellen, und es sollen 60-tägige Verhandlungen über Nuklearfragen aufgenommen werden. Die USA haben damit keines ihrer — zugegebenermaßen fluiden — Kriegsziele erreicht. Es ließe sich sogar argumentieren, dass der Iran gestärkt aus diesem Konflikt hervorgeht.
Die geopolitische Lage in der Region bleibt damit äußerst fragil, selbst wenn es tatsächlich gelingen sollte, in den nächsten Monaten einen Friedensvertrag auszuhandeln. Ob dies überhaupt gelingen kann, bleibt außerdem abzuwarten. Wenn uns die vergangenen Monate eines gelehrt haben, dann dass man den Tag nicht vor dem Abend loben darf. Noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern und es gibt fraglos viele potenzielle Stolpersteine, nicht zuletzt die Frage, ob Israel ebenfalls bereit ist, die Waffen in Nahost ruhen zu lassen.
Am Finanzmarkt spielen diese Sorgen heute Morgen kaum eine Rolle: der Ölpreis fällt, die Aktien steigen. Sollten die USA und der Iran am Freitag tatsächlich eine Vereinbarung unterzeichnen, wäre die Erleichterung zwar fraglos groß und weitere Kursgewinne grundsätzlich möglich. Jedoch haben die vergangenen Monate tiefe Spuren hinterlassen, die sich auch nach einer offiziellen Beendigung des Krieges und einer Wiederöffnung der Straße von Hormus nicht so einfach beseitigen lassen. Schäden an Produktionsstätten müssen repariert werden, stillgelegte Ölquellen wieder hochgefahren werden, der Schiffsverkehr muss sich wieder einpendeln — wir gehen nicht davon aus, dass wir auf das Vorkriegsniveau zurückkehren werden —, Lieferkettenstörungen müssen sich auflösen, etc. Höhere Inflationsraten erleben wir bereits, und auch diese Effekte werden nicht einfach verschwinden, mit entsprechenden Bremswirkungen auf Konsum und Wirtschaftswachstum. Eine nachhaltige Einigung zwischen den USA und dem Iran ist eine gute Nachricht, aber kein Neustart — die wirtschaftlichen Narben der vergangenen Monate werden den globalen Konjunkturausblick noch weit in das Jahr 2027 hinein prägen.
-- Sonja Marten

