Robuste Aktienmärkte in unruhigen Zeiten

Trotz fragiler Weltlage stützen robuste Unternehmensgewinne und die globale Chip-Nachfrage den mittelfristigen Aufwärtstrend der Aktienmärkte. Mit unseren Prognosen von 8.500 Punkten für den S&P 500 und 27.500 Punkten für den DAX blicken wir auf ein starkes Aktienjahr 2026, bevor sich im Folgejahr eine Konsolidierung abzeichnet.
 

Das Bild zeigt eine Prognose der Gewinne und den Einfluss von KI als Treiber in Form zweier Diagramme. Links ist ein Liniendiagramm, das die Entwicklung von DAX, S&P 500 und Euro Stoxx 50 in Indexpunkten von 2023 bis 2027 darstellt. Rechts ist ein Balkendiagramm, das den potenziellen Beitrag einzelner Sektoren zum Gewinnwachstum im DAX im Jahr 2025 zeigt. Die Sektoren umfassen Industrie, zyklischen Konsum, Technologie, Finanzen, Kommunikation, Grundstoffe, Versorger und Basiskonsum, wobei der Schwerpunkt auf der Industrie liegt.


Trotz der nach wie vor fragilen Lage zwischen den USA und dem Iran haben sich die Aktienmärkte zuletzt erholt. Die geopolitischen Spannungen bergen zwar das Potenzial für kurzfristige Rückschläge, beeinflussen aber nicht die mittelfristige Entwicklung. Maßgeblich für den Aufwärtstrend ist der Gewinnzyklus, der vom Halbleitersektor getragen wird.

 

Der globale Halbleiterboom hält an. So lag der Branchenumsatz im März rund 80 Prozent über dem Vorjahr und das Gewinnwachstum der Hersteller dürfte in diesem Jahr kräftig ausfallen. Diese Dynamik trägt vor allem die US-Indizes. Für den S&P 500 erwarten wir bis zum Jahresende 2026 ein Niveau von 8.500 Punkten, gestützt von einer breit angelegten Gewinnentwicklung nach einer starken Berichtssaison.

 

Auch die europäischen Märkte profitieren, wenn auch auf anderem Weg. Für den DAX erwarten wir zum Jahresende 27.500 Punkte. Er wird von den Unternehmensgewinnen getragen, die nach zwei schwachen Jahren wieder deutlich zulegen dürften. Den größten Beitrag leistet die Industrie, solide Impulse kommen aus dem Finanz- und Technologiesektor. Der DAX partizipiert nur mittelbar am Halbleiterthema, da nur wenige Werte des Index einen direkten KI-Bezug haben. Über seine international aufgestellten Konzerne ist er jedoch eng in die Zulieferketten des Zyklus eingebunden. Seine Stärke beruht somit weniger auf der heimischen Konjunktur als auf global agierenden Konzernen.

 

Der Euro Stoxx 50 zeigt sich vergleichsweise robust, was unter anderem auf die geringere Energieabhängigkeit seiner Mitglieder zurückzuführen ist. Das Gewinnwachstum fällt mit rund 9 bis 10 Prozent solide aus. Banken und Versicherer wirken als verlässlicher Anker, während Energie-, Versorgungs- und Rüstungsunternehmen von notwendigen Investitionen profitieren. Bis zum Jahresende erwarten wir 6.700 Punkte.

 

Für das erste Halbjahr 2027 rechnen wir bei allen drei Indizes mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau, da das Gewinnwachstum nachlässt und der entscheidende Treiber für weitere Kursgewinne fehlt.

 

-- Birgit Henseler