Kryptowährungen zwischen höheren Zinsen und Stabilisierung

Das erste Quartal 2026 endet für das Kryptsegment wie das vorangegangene aufgehört hat – unter dem Strich bleibt ein klares Minus. Zwar konnten sich Bitcoin & Co. dem allgemeinen Abwärtssog des Irankrieges entziehen, das Umfeld bleibt jedoch herausfordernd.
 

Das Bild stellt einen Diagramm dar, das die gleitende Vierwochen-Kursveränderung verschiedener Kryptowährungen zeigt, darunter Bitcoin, Ether, XRP, SOL, Dogecoin und Cardano. Der Titel des Diagramms besagt, dass Altcoins weiterhin den Vorgaben von Bitcoin folgen, sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Der Zeitraum der Daten reicht von Juli bis März des folgenden Jahres.


Das erste Quartal ist beinahe zu Ende, und das Gros der Kryptowährungen dürfte bestenfalls eine durchwachsende Bilanz ziehen. Einerseits hat sich die Abwärtsbewegung aus dem letzten Quartal 2025 fortgesetzt. Der Bitcoin bewegt sich aktuell bei knapp 70.000 USD und damit mehr als 20% unterhalb des Jahresausgangsniveaus, bei anderen nennenswerten Vertretern sieht es nicht besser aus. Andererseits hätte es vor dem Hintergrund des Irankrieges und der damit einhergehenden globalen Unsicherheit an den weltweiten Finanzmärkten deutlich schlimmer kommen können. Aktienindizes weltweit mussten seit Ausbruch des Krieges in Nahost spürbare Verluste hinnehmen. Diesem übergeordneten Abwärtssog konnte sich das Kryptosegment insgesamt entziehen. Größere und mittelgroße Kryptowährungen legten teils sogar leicht zu.

 

Diese Widerstandsfähigkeit kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stimmung auch im Kryptosegment stark angeschlagen ist. Hinzu kommt, dass seit Mitte Oktober 2025 Kapitalabflüsse in größerem Umfang aus Bitcoin-Spot-ETFs zu beobachten waren. Im März haben die Zuflüsse in Spot-ETFs zwar die Abflüsse moderat überwogen. Fraglich ist jedoch, ob sich dieser Trend fortsetzen wird. Hintergrund ist das weltweit gestiegene Renditeniveau an den als vergleichsweise sicher geltenden Rentenmärkten. Diese Entwicklung macht Investitionen in unverzinste und weiterhin als sehr spekulativ erachtete Kryptowährungen weniger attraktiv, gerade in Kombination mit einem insgesamt eingetrübten Sentiment unter Finanzmarktteilnehmern.

 

Ausblick: Es braucht ein neues Narrativ

Insbesondere angesichts der aktuell vorherrschenden und perspektivisch weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen bräuchte das Kryptosegment ein neues Narrativ. In den vergangenen Jahren dienten zwar zum einen die Einführung von Bitcoin-Spot-ETFs und zum anderen US-Präsident Trump in der allgemeinen Wahrnehmung als Taktgeber für potenziellen Siegeszug von Kryptowährungen. Der Einfluss dieser Impulse hat allerdings mittlerweile spürbar nachgelassen.

 

Eine neue „kurstreibende Story“ könnte eine weiter deutlich zunehmende Verbreiterung der Investorenbasis unter Privatanlegern auf globaler Ebene sein. In Deutschland planen auch als konservativ geltenden Finanzinstitute, darunter die Genossenschaftliche Finanzgruppe und die Sparkassen, ihren Kundinnen und Kunden den direkten Zugang zum Kryptosegment im laufenden Jahr anzubieten. Mehr Präsenz der Distributed-Ledger-Technologie an den Finanzmärkten, beispielsweise in Form von Wertpapieremissionen auf Blockchain-Basis, könnten Kryptowährungen – quasi als technologisches Nebenprodukt – ebenfalls neuen Schub verleihen.

 

Ein Ritterschlag für das Segment wäre es, wenn Zentralbanken lauter darüber nachdenken würden, Kryptowährungen in ihren Währungsreserven zu berücksichtigen. In Europa werden entsprechende Ideen zumindest aufseiten der tschechischen Zentralbank diskutiert. In der Schweiz läuft eine Volksinitiative, die – eine Annahme in einer Volksabstimmung vorausgesetzt – die Schweizer Nationalbank dazu verpflichten würde, einen nicht näher bestimmten Teil der Währungsreserven in Bitcoin zu halten. Ohne derartige neue Narrative könnte es auf absehbare Zeit schwer werden, eine nachhaltige Aufwärtsbewegung und neue Rekorde zu erreichen.

 

-- Sören Hettler