Iran-Krieg und Aktienmärkte: Zwischen Hoffen, Bangen und Verwirrung
US-Präsident Trump redet von „produktiven Gesprächen“, Teheran widerspricht – das Hin und Her zwischen Hoffen und Bangen am Aktienmarkt geht weiter. Positiv ist festzuhalten, dass die USA weiter an einem „Deal“ interessiert zu sein scheinen und die Märkte umgehend auf erfreuliche Meldungen anspringen.
Donald Trump ist immer für eine Überraschung gut. Der Start der Handelswoche war zunächst geprägt von dem von ihm am Wochenende gesetzten Ultimatum, wonach es zum Beschuss iranischer Energieanlagen komme, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht bis Montagabend vollständig freigeben. Der Iran drohte daraufhin seinerseits mit Gegenschlägen auf die Energieinfrastruktur in der Region. Am frühen Morgen US-Ostküstenzeit ging es dann plötzlich in die andere Richtung. Das US-Staatsoberhaupt gab bekannt, dass in den vergangenen Tagen „sehr gute und produktive Gespräche“ mit dem Iran zur Beendigung der Kampfhandlungen stattgefunden hätten. Das US-Militär sei angewiesen, in den nächsten fünf Tagen keine Angriffe auf iranische Energieproduktions- und Infrastrukturanlagen durchzuführen. Zwar bestritt der iranische Außenminister, dass es Gespräche zwischen beiden Ländern gäbe, allerdings ist die durch das ursprünglich gesetzte Ultimatum vorherrschende akute Gefahr einer weiteren Eskalation erstmal wieder vom Tisch.
Die Finanzmärkte reagierten auf die Kehrtwende im Weißen Haus zwar mit erkennbarer Erleichterung. Unter dem Strich bleibt für die europäischen Aktienmärkte aber ein deutliches Minus gegenüber dem Niveau vor Ausbruch der militärischen Eskalation. Rund 9% ging es für den DAX und den Euro Stoxx 50 seit Ende Februar bergab. Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Indizes gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis zwar den langfristigen Durchschnitten von oben kommend angenähert haben. Von einer „günstigen“ Bewertung kann allerdings weiterhin nicht die Rede sein.
Lage bleibt unübersichtlich – auch dank „TACO“
Das Trump’sche Spiel aus Eskalation und Deeskalation, das vor allem im Rahmen des Zollchaos intensiv praktiziert wurde, setzt sich im Iran-Krieg fort. Zwar schwingt das Pendel derzeit eher in Richtung Entspannung. An den Finanzmärkten bleiben die Marktteilnehmer jedoch vorsichtig. So ist eine Lösung des Konflikts – gerade nach dem Dementi aus Teheran – bislang alles andere als in trockenen Tüchern. Zudem sind die langfristigen Auswirkungen der bereits angerichteten Schäden bei der Energieproduktion und -infrastruktur schwer einzuschätzen. Im Falle einer erneuten Zuspitzung drohen den Aktienindizes weitere Rückschläge. In einem Eskalationsszenario sind vorübergehend DAX-Kurse (Euro Stoxx 50) unter 20.000 Punkten (5.000 Zählern) vorstellbar – Niveaus, die von der Bewertungsseite her wieder mehr Luft nach oben ließen.
Positiv bleibt festzuhalten, dass der US-Präsident angesichts des jüngsten Deeskalationsversuchs offenbar weiter an einem „Deal“ interessiert ist. Hintergrund dürfte insbesondere der innenpolitische Druck sein, der ihm entgegenschlägt. Schließlich sind auch die Kraftstoffpreise in den USA deutlich gestiegen und die Kongresswahlen im Herbst rücken näher. Die Marktreaktion auf die Meldung vorhandener „produktiver Gespräche“ verdeutlicht darüber hinaus, dass die Kapitalmärkte bereit sind, wieder positiver in die Zukunft zu schauen, sofern greifbare Signale der Entspannung auftauchen.
-- Sören Hettler

