Der Chipmarkt bleibt auf Rekordkurs

Der globale Chipmarkt, der bereits im Jahr 2025 einen Umsatz-Höchstwert erreichte, befindet sich auch im laufenden Jahr auf Rekordkurs. Im Juni hat sich die hohe Erlösdynamik sogar noch beschleunigt. Die spürbar anziehende Nachfrage nach leistungsstarken Speicherchips, Grafikprozessoren (GPU) für das Training sowie nach Hauptprozessoren (CPU) für die Anwendung (Inferenz) von KI-Modellen und nach Chips für das Hochleistungsrechnen (High Performance Computing) ist weiterhin der mit Abstand größte Wachstumstreiber. Dieser positive Trend wird sich unserer Meinung nach in den kommenden Jahren fortsetzen.

 

Das Bild zeigt ein Balken- und Liniendiagramm zum globalen Chipmarkt. Die orangefarbenen Balken stellen den Quartalsumsatz in Milliarden USD dar. Die blaue Linie zeigt das prozentuale Wachstum im Vergleich zum Vorjahr (YoY-Wachstum). Das Diagramm verdeutlicht, dass der globale Chipmarkt über die Quartale hinweg stetig wächst, wobei insbesondere im letzten angezeigten Quartal ein starker Anstieg sowohl beim Umsatz als auch beim prozentualen Wachstum zu sehen ist.

 

Laut Berechnungen des Branchenverbandes SIA (Semiconductor Industry Association) ist der weltweite Halbleiterumsatz im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 124% auf 134,5 Mrd. USD gestiegen. Dies ist der höchste jemals in einem Monat erreichte Wert. Damit hat sich die Wachstumsdynamik gegenüber den Vormonaten (März: +79%; April: +94%; Mai: +108%) noch einmal deutlich beschleunigt. Zugleich war dies der größte Zuwachs seit mehr als 25 Jahren. Positiv werten wir, dass alle Regionen zu dem Erlösanstieg beigetragen haben. Dabei wies die Region Amerika mit 161% das höchste Umsatzplus auf. Spürbare Zuwächse gab es zudem in den Märkten Asien-Pazifik (124%), China (113%), Europa (+75%) sowie in Japan (39%). Im ersten Halbjahr 2026 legte der globale Halbleiterumsatz gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 86% auf 638,8 Mrd. zu, was ebenfalls einem Höchstwert entspricht.  Im April hat die Organisation WSTS (World Semiconductor Trade Statistics) die Erlösprognose für das Jahr 2026 signifikant von 1,0 Bio. USD auf 1,5 Bio. USD angehoben. Für das Jahr 2027 wurde ein Wert von 1,9 Bio. USD in Aussicht gestellt. Wir gehen davon aus, dass der positive Erlöstrend im Jahresverlauf anhalten wird und die Marke von 1,5 Bio. USD übertroffen wird.

 

Wichtigster Wachstumstreiber dürfte auf absehbare Zeit die hohe Nachfrage nach Prozessoren für KI-Anwendungen und das Hochleistungsrechnen sein. Besonders begehrt werden aus unserer Sicht leistungsstarke Logik- und Speicherchips sein. Diese werden unter anderem für das Training und die Anwendung (Inferenz) von KI-basierten Sprachmodellen (Large Language Models) sowie für die Analyse und Verarbeitung großer Datenmengen benötigt. Immer mehr Unternehmen erkennen den Nutzen von Künstlicher Intelligenz, lassen die „Experimentierphase“ hinter sich und integrieren KI-Lösungen in ihre Geschäftsabläufe. Mit dem verstärkten Einsatz von KI-Agenten, die komplexe Aufgaben autonom durchführen können und dabei kontinuierlich operieren, wächst auch der Bedarf an Hauptprozessoren, die unter anderem für die Koordination der Arbeitsabläufe und die Vor- sowie Nachbereitung der Daten verantwortlich sind. Die hohe Nachfrage nach Rechen- und Speicherkapazitäten kann trotz rekordhoher Investitionen in den Bau von Datenzentren nach Angaben der großen US-amerikanischen Anbieter von Rechenkapazitäten und Cloud-Dienstleistungen weiterhin nicht vollständig gedeckt werden. Die auch als Hyperscaler bezeichneten Unternehmen wie Alphabet („Google Cloud“), Amazon („AWS“) und Microsoft („Azure“) haben anlässlich der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen ihre Pläne für einen massiven Ausbau der IT-Infrastruktur bestätigt oder sogar noch ausgeweitet. Wir gehen davon aus, dass die Investitionsbudgets der Hyperscaler in diesem Jahr signifikant steigen und dabei neue Höchstmarken erreichen werden. Ein Großteil der Ausgaben wird voraussichtlich in den Bau und die Ausrüstung von Rechenzentren fließen. Wir erwarten, dass sich dieser Trend im Jahr 2027 fortsetzen wird.

Aus unserer Sicht wird diese Entwicklung den globalen Chipmarkt auch in den kommenden Jahren beflügeln und zu neuen Umsatzrekorden führen. Dies dürfte vor allem die Entwickler und Hersteller von Grafikprozessoren, Speicherchips und Hauptprozessoren sowie die Produzenten von Maschinen für die Fertigung, das Verpacken und das Testen von Halbleitern begünstigen.

 

-- Ingo Wermann