Mittelstandsumfrage: Investitionsbereitschaft so gering wie nie zuvor

Viele Mittelständler leiden unter gestiegener Kostenbelastung und zunehmenden Lieferengpässen. Auch deswegen fällt die Investitionsbereitschaft auf ein Allzeit-Tief.

 

Das Bild zeigt ein Balkendiagramm, das die größten Probleme von Unternehmen aus Sicht der Befragten in Prozent vergleicht. Die Probleme werden in drei Zeiträumen dargestellt: Frühjahr 2023, Herbst 2023 und aktuell. Die wichtigsten Probleme sind Bürokratie, Energiekosten, Rohstoff-/Materialkosten, Arbeits-/Fachkräftemangel, Lohn-/Gehaltskosten, sowie weitere wie Steuerbelastung, Auslandsaufträge, Konjunkturentwicklung, Zahlungsausfälle der Kunden und Finanzierungsbedingungen. Bürokratie bleibt das größte Problem, gefolgt von den Energiekosten, die aufgrund des Ukraine-Konflikts an Bedeutung gewonnen haben.

 

Für den deutschen Mittelstand gibt es vorerst weiter kein ruhiges Fahrwasser. Hatten die Unternehmen zu Jahresbeginn noch die berechtigte Hoffnung, dass die Fiskalpakete der Bundesregierung ein spürbares Wachstum bringen würden, belasteten stattdessen die wegen des Iran-Kriegs stark gestiegenen Öl- und Gaspreise. Letztere liegen immer noch weit über Vorkriegsniveau.

 

Im Zuge des Iran-Konflikts fiel die Investitionsbereitschaft im Mittelstand auf ein neues Allzeit-Tief. Die anhaltende Konjunkturschwäche ohne zwischenzeitliche Erholungsphase sowie die weiter weit unterdurchschnittlich ausgelasteten Industrie-Kapazitäten sorgten dafür, dass nur noch 52% der Mittelständler im nächsten halben Jahr in ihr Unternehmen investieren wollen. Das sind sogar weniger als im Herbst 2009 zur Zeit der Finanzkrise. Dies zeigen die Ergebnisse unserer aktuellen Umfrage unter mehr als 1.000 mittelständischen Unternehmen.

 

Schuld daran ist auch die gestiegene Kostenbelastung. Zwar identifizieren immer noch 74% der Befragten die Bürokratiebelastung, die von der Bundesregierung jetzt endlich nennenswert angegangen werden soll, als größtes aktuelles Problemfeld. Danach folgen aber schon Energiekosten- (67%) sowie Rohstoff- und Materialkostenbelastung (57%). Auch die Sorge um Lieferengpässe nahm wieder zu. Besonders stark traf dies die Mittelständler in der Elektro- und Chemieindustrie. In diesen beiden Branchen bereiten globale Lieferketten schon wieder jedem zweiten Befragten Sorgen.

 

Angesichts der gestiegenen Belastungen ist es kaum verwunderlich, dass die Mittelständler Absatzpreissteigerungen anstreben. Immerhin 43% der Befragten planen Preiserhöhungen, nur weniger als 5% wollen ihre Preise senken.

 

Der Iran-Konflikt blieb auch nicht ohne Auswirkungen auf die Unternehmensstimmung. So stagnierten die Erwartungen deutlich unter ihrem langjährigen Mittelwert. Die Geschäftslagebewertung legte zwar trotz des Iran-Kriegs zu, blieb aber unter dem langfristigen Durchschnitt. Die bessere Einschätzung dürfte auf die zuletzt verbesserte Auftragslage sowie die recht gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung der letzten beiden Quartale (Q4/2025: +0,2% und Q1/26: +0,3%) zurückzuführen sein. Zum Vergleich: Beim ifo Geschäftsklima stieg die Geschäftslage im Mai und im Juni so, dass sie mittlerweile ebenfalls über ihrem Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs liegt. Der deutsche Mittelstand erweist sich damit einmal mehr auch in schwierigen Zeiten recht resilient.

 

-- Dr. Claus Niegsch