Euroraum: Droht im Sommer die breite Inflationswelle?
Die Inflation im Euroraum ist erneut spürbar gestiegen. Hauptgrund ist der Energiepreisschock infolge des Iran-/Nahost-Konflikts. Eine neue kräftige Inflationsspirale erwarten wir nicht – wohl aber indirekte Effekte ab dem Sommer.
Die Inflation im Euroraum liegt wieder deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank. Im April betrug die Teuerungsrate 3,0 Prozent. Der Anstieg ist jedoch bislang vor allem energiegetrieben und noch keine breit angelegte Inflationswelle.
Auslöser ist der Iran-/Nahost-Konflikt, der Öl-, Gas- und Rohstoffmärkte belastet. Besonders Kraftstoffe wirken schnell auf die Verbraucherpreise. Bei Gas und Strom erfolgt die Weitergabe an Haushalte meist verzögert, weil Verträge, Tarife und Regulierung dämpfend wirken.
Die übrigen Inflationskomponenten zeigen bisher ein ruhigeres Bild. Die Kernrate bleibt moderat, Industriegüter verteuern sich nur schwach, und die Dienstleistungsinflation hat zuletzt etwas nachgelassen. Auch bei Nahrungsmitteln ist noch kein breiter neuer Preisschub sichtbar. In den Vorstufen nehmen die Risiken aber zu: Düngemittel, Rohstoffe und Metalle sind teurer geworden.
Wir gehen deshalb davon aus, dass ab Sommer 2026 indirekte Effekte sichtbar werden. Höhere Energie- und Rohstoffkosten dürften dann stärker auf Transport, Verarbeitung, Logistik, Nahrungsmittel, einzelne Industriegüter und energieabhängige Dienstleistungen durchwirken. Breitere Zweitrundeneffekte über Löhne bleiben dagegen begrenzt. Eine neue kräftige Inflationsspirale erwarten wir daher nicht.
Für den Jahresdurchschnitt 2026 erwarten wir eine Inflationsrate (HVPI) von 3,2%, für 2027 von 2,5%. Der Energiepreisschock dürfte die Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel verzögern, aber nicht zu einer dauerhaft entankerten Inflation führen. Entscheidend bleibt, wie lange und wie stark sich die höheren Energie- und Rohstoffkosten in den kommenden Monaten in der Breite der Verbraucherpreise niederschlagen.
- Matthias Schupeta

