Waffenruhe im Iran-Krieg: Ein bisschen Frieden
Die USA und der Iran haben sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt. Die Straße von Hormus soll wieder passierbar sein. An den Finanzmärkten hat die Einigung für Erleichterung gesorgt. Zuversicht ist zwar angebracht, für Euphorie ist es aber zu früh.
Der gestrige Tag war an Dramaturgie schwer zu überbieten. In der Nacht zum Dienstag deutscher Zeit lief das vonseiten des US-Präsidenten gesetzte Ultimatum ab, bis zu dem der Iran die Straße von Hormus ohne Einschränkungen freigeben müsse. Andernfalls würden u.a. Kraftwerke sowie Brücken zerstört und das Land „in die Steinzeit gebombt“. Um der eigenen Position Nachdruck zu verleihen, intensivierten die USA und Israel ihr militärisches Vorgehen. Zugleich legte der US-Präsident verbal nach. Wenige Stunden vor Ablauf der Frist ließ Trump schlussendlich wissen, dass er einer von Vertretern Pakistans vermittelten, zweiwöchigen Waffenruhe zugestimmt habe. Der Iran bestätigte eine Einigung kurze Zeit später.
An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für große Erleichterung. Der Rohölpreis der Sorte Brent liegt mit rund 95 US-Dollar je Barell aktuell rund 13% unter dem Vortagsniveau. An den Geldmärkten haben sich die Leitzinsspekulationen zugunsten einer restriktiveren Geldpolitik deutlich zurückgebildet. Während die Renditen an den Rentenmärkten moderat nachgaben, ging es an den Aktienmärkten steil bergauf. DAX, Euro Stoxx 50 und Nikkei legten gut 5% zu, die US-Indizes kletterten rund 3% nach oben.
Marktseitig hat sich das Narrativ eines US-Präsidenten, der wilde Drohungen aussendet, diese schlussendlich aber nicht umsetzt, (erfreulicherweise) einmal mehr bestätigt. Zwar spricht Trump in gewohnter Manier von einem „totalen und vollständigen Sieg“ für die USA. Die Nachricht des iranischen Außenministers, wonach der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus „in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen“ wieder aufgenommen werden könne, entspricht jedoch nur eingeschränkt der Forderung des US-Präsidenten nach einer vollständigen Öffnung der Meerenge. Und von den teils geäußerten US-Kriegszielen, darunter ein Regimewechsel im Iran, ist die Region weit entfernt.
Ebenfalls gegen einen „totalen US-Sieg“ spricht der Zehn-Punkte-Plan aus Teheran, den die Trump-Administration als Grundlage für Verhandlungen anerkennt. Laut iranischen Angaben enthält dieser Forderungen, wonach der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus behält, alle Sanktionen gegen das Land aufgehoben werden, die Urananreicherung gestattet wird und die USA ihre militärische Präsenz in der Region zurückfahren. Die USA fordern hingegen unter anderem, dass der Iran seine Programme zur Nutzung der Atomenergie sowie für ballistische Raketen und die Unterstützung für Milizen in der Region beendet.
Zwei Wochen Zeit – nicht weniger, aber auch nicht mehr
Es erscheint schwer zu glauben, dass die Beteiligten hier einen gemeinsamen Nenner finden werden. Zu weit liegen die jeweiligen Positionen auseinander, gerade unter Berücksichtigung der Ziele Israels. Immerhin haben die Vertreter beider Seiten nun zwei Wochen mehr Zeit, um – wohl weiterhin unter Vermittlung Pakistans – Lösungen auszuarbeiten. So positiv diese Nachricht ist, für Euphorie ist es angesichts der Herausforderungen, die vor den Verantwortlichen liegen, sicher noch zu früh. Bis auf weiteres dürfte die Lage in der Region angespannt bleiben.
-- Sonja Marten, Sören Hettler

